Kurz & knapp: Die Vorabpauschale ist eine kleine jährliche Mindeststeuer auf thesaurierende ETFs. Dein Broker zieht sie automatisch im Januar ab. Mit einem korrekt eingerichteten Freistellungsauftrag (1.000 €) ist sie für die meisten Einsteiger komplett steuerfrei. Du musst nichts aktiv tun.

Warum gibt es die Vorabpauschale überhaupt?

Stell dir vor, du investierst 20 Jahre in einen thesaurierenden ETF – der Staat sieht in dieser Zeit keinen Cent Steuer. Das wollte der Gesetzgeber 2018 ändern und hat deshalb die Vorabpauschale eingeführt: eine Art jährliche "Vorsteuer" auf einen fiktiven Mindestgewinn.

Das klingt schlimmer als es ist. Denn:

  • Die Vorabpauschale ist oft sehr gering (besonders wenn dein Depot noch klein ist)
  • Sie wird auf die Steuer beim Verkauf angerechnet – du zahlst nicht doppelt
  • Der Freistellungsauftrag deckt sie in frühen Jahren meist vollständig ab

Wie wird die Vorabpauschale berechnet?

Die Formel klingt kompliziert, ist es aber nicht:

# Basisertrag (= Vorabpauschale vor Teilfreistellung)
Basisertrag = Fondswert (Jahresanfang) × Basiszins × 0,7

# Vorabpauschale (nach 30% Teilfreistellung bei Aktien-ETFs)
Vorabpauschale = Basisertrag × 0,7

# Steuer darauf: 25% Abgeltungssteuer + Soli
Steuer ≈ Vorabpauschale × 0,26375

Der Basiszins wird jährlich von der Bundesbank festgelegt. 2026 liegt er bei ca. 2,5%.

Beispielrechnung 2026

Du hast am 1. Januar 2026 einen ETF-Bestand von 5.000 €:

  • Basisertrag: 5.000 € × 2,5% × 0,7 = 87,50 €
  • Vorabpauschale (nach Teilfreistellung): 87,50 € × 0,7 = 61,25 €
  • Steuer darauf: 61,25 € × 26,375% = ~16,15 €

Bei einem Freistellungsauftrag von 1.000 € fallen auf diese 61,25 € keine Steuern an – sie werden einfach vom Freibetrag abgezogen.

Fazit für Einsteiger: Wenn dein Depot unter ~40.000 € liegt und du deinen Freistellungsauftrag korrekt eingerichtet hast, zahlst du in den meisten Jahren gar keine Steuer auf die Vorabpauschale.

Was musst du konkret tun?

  1. Freistellungsauftrag einrichten – 1.000 € bei deinem Broker (Trade Republic, Scalable Capital etc.). Das geht in der App unter Einstellungen/Steuern.
  2. Genug Guthaben auf dem Verrechnungskonto – dein Broker bucht die Steuer automatisch im Januar ab. Stelle sicher, dass etwas auf dem Konto liegt.
  3. Nichts weiter tun – dein Broker erledigt Abrechnung und Abführung automatisch. Keine Steuererklärung nötig (solange inländische Bank).
Wichtig: Wenn du deinen Freistellungsauftrag auf mehrere Broker verteilt hast, stelle sicher, dass die Gesamtsumme 1.000 € nicht übersteigt. Bei Ehepaaren sind es gemeinsam 2.000 €.

Was passiert wenn mein ETF im Minus ist?

Gute Frage! Wenn dein ETF im Jahr nicht gestiegen ist (Wertzuwachs = 0 oder negativ), fällt keine Vorabpauschale an. Die Vorabpauschale kann maximal so hoch sein wie der tatsächliche Wertzuwachs des ETFs – nie höher.

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