Das Wichtigste in Kürze: Für den langfristigen Vermögensaufbau ist der Thesaurierer in den meisten Fällen die bessere Wahl – der Zinseszinseffekt arbeitet automatisch für dich. Ausschütter machen Sinn, wenn du regelmäßige Auszahlungen möchtest (z.B. im Ruhestand). Für Einsteiger gilt: Wichtiger als diese Entscheidung ist es, überhaupt anzufangen.

Was bedeuten Ausschütter und Thesaurierer überhaupt?

Wenn Unternehmen Gewinne machen, können sie diese als Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten. Bei einem ETF, der hunderte Aktien enthält, kommen also regelmäßig Dividenden rein. Die Frage ist: Was passiert mit diesem Geld?

  • Ausschüttender ETF: Das Geld wird direkt auf dein Konto überwiesen – quartalsweise oder jährlich.
  • Thesaurierender ETF: Das Geld wird automatisch wieder in den ETF reinvestiert. Dein Anteilswert steigt, ohne dass du etwas tun musst.

Beide Varianten investieren in dieselben Unternehmen. Der Unterschied liegt nur darin, was mit den Erträgen passiert.

Der Zinseszinseffekt – warum Thesaurierer meist vorne liegen

Stell dir vor, du investierst monatlich 200 € in einen ETF mit einer durchschnittlichen Rendite von 7 % pro Jahr. Nach 30 Jahren:

SzenarioNach 10 JahrenNach 20 JahrenNach 30 Jahren
Thesaurierer (automatisch reinvestiert)~34.800 €~104.000 €~243.000 €
Ausschütter (Dividenden entnommen)~27.600 €~72.000 €~147.000 €

* Vereinfachte Beispielrechnung. Annahme: 7% p.a., keine Steuern, Dividendenrendite 2%. Kein Anlageversprechen.

Das ist der Zinseszinseffekt: Erträge, die wieder investiert werden, erzielen selbst wieder Erträge. Beim Thesaurierer passiert das vollautomatisch.

Wie sieht es steuerlich aus?

Hier wird es etwas komplizierter – aber keine Sorge, ich erkläre es einfach.

Ausschütter: Steuer beim Ausschütten

Wenn dein Ausschütter-ETF Dividenden zahlt, fällt direkt Abgeltungssteuer (25%) + Solidaritätszuschlag an – automatisch durch deine Bank. Du musst nichts tun, aber dein Freistellungsauftrag (1.000 € pro Jahr) wird dabei aufgebraucht.

Thesaurierer: Die Vorabpauschale

Beim Thesaurierer gibt es jedes Jahr im Januar die sogenannte Vorabpauschale – eine Art Phantomsteuer auf einen fiktiven Mindestgewinn. Die gute Nachricht: In den ersten Jahren, wenn dein Depot noch klein ist, deckt der 1.000 € Freistellungsauftrag die Vorabpauschale oft vollständig ab.

Kurz gesagt: Seit der Steuerreform 2018 sind beide ETF-Typen steuerlich nahezu gleich behandelt. Die frühere klare Empfehlung "Ausschütter für den Freistellungsauftrag" gilt so nicht mehr. Der Thesaurierer ist für die meisten Anleger vorteilhafter.

Wann macht welcher Typ Sinn?

SituationEmpfehlungWarum
Langfristiger Vermögensaufbau (Anfänger, Sparplan)ThesauriererZinseszinseffekt, weniger Aufwand
Du willst regelmäßige Einnahmen (Rente, FIRE)AusschütterCashflow ohne Anteile verkaufen
Du bist emotional – Dividenden motivieren dichAusschütterPsychologie zählt auch
Steuern so lange wie möglich stundenThesauriererSteuer fällt erst beim Verkauf an

Unsere Empfehlung für Einsteiger

👉 Nimm einen thesaurierenden ETF auf den MSCI World oder FTSE All-World. Stelle deinen Freistellungsauftrag beim Broker ein (1.000 € pro Jahr bei Einzelpersonen, 2.000 € bei Ehepaaren). Dann läuft alles automatisch.

Konkret geeignet: iShares Core MSCI World UCITS ETF (Acc) oder Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (Acc) – beide bei Trade Republic und Scalable Capital als kostenloser Sparplan verfügbar.
⚠️ Wichtig: Das hier ist keine Anlageberatung, sondern allgemeine Finanzbildung. Investitionen in ETFs unterliegen Kursschwankungen. Dein eingesetztes Kapital kann im Wert fallen.

Nächste Schritte

Jetzt weißt du, welchen ETF-Typ du willst. Hier geht's weiter:

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